Es sollte ein großartiges Ereignis werden. Und es wurde eins, auch wenn es zuerst nicht danach aussah. Aber der Reihe nach.
Ich hatte eine Unterkunft in der Nähe von Ludwigshafen am Rhein, von der ich mich am
11. August um 7.30 Uhr auf die Reise Richtung Südwesten machte. Mein Ziel war ein Platz irgendwo hinter der
französischen Grenze. Gegen 9 Uhr hatte ich dann auch ein schönes Plätzchen gefunden: ein Feldweg an einem Hügel
kurz vor dem kleinen Ort Wintzenbach.
Es waren schon einige Leute dort, viele Deutsche, später kamen noch die Insassen von rund fünf Reisebussen hinzu. Aber die verteilten sich auf die umliegenden Felder.
Jetzt aber das Problem: es war bewölkt!! Trotzdem baute ich schon mal meine zwei Videokameras und das Teleskop auf. Zeit genug war ja noch.
Die Geräte hatte ich mit Sonnenfiltern geschützt. Im Radio hörte ich, wie schön das Wetter in Kaiserslautern sein sollte. Aber ich hatte Glück: um 11.25 Uhr war die Sonne dann durch erste Wolkenlücken
zu sehen. Ein Aufschrei ging durch die Menge: es fehlte ein Stück von der Sonne.
Nun ging es Schlag auf Schlag: die Sonnensichel wurde immer schmaler.
Man merkte, wie ca. eine halbe Stunde vor der Totalität das Licht langsam weniger wurde. Es war regelrecht gespenstig. Dazu wurde die Luft merklich kälter und feuchter.
Im Radio lief jetzt "Time to say Goodbye".
Um 12.30 Uhr kam dann aus nordwestlicher Richtung der Schatten angerast. Alle waren überwältigt. Manche drückten das
durch Schreie aus, andere waren einfach still und genossen. Jemand zündete eine Feuerwerksrakete. Es war jetzt völlig dunkel. Ich machte Fotos, ließ die Videokameras
laufen und staunte.
Zwischen den Wolken war die Sonnenkorona in ihrer vollen Schönheit zu sehen. Chromosphäre und Protuberanzen leuchteten rosa. Doch schon nach 2:17
Minuten wurde es wieder hell. Kurz war noch der Diamantringeffekt zu sehen. Dann war fast schon wieder alles vorbei.
Es war so schnell gegangen. Nach 20 Minuten zogen wieder
dickere Wolken auf, die Sonne war nicht mehr zu sehen. Gegen 13.30 Uhr fing es auch noch an zu regnen. Also schnell zusammen packen und ab auf die Autobahn. Dort stand ich dann von Karlsruhe bis
Hof im Stau. Um Mitternacht war ich dann aber zu Hause.
Alle, die an diesem Tag nicht so gutes Wetter hatten oder einfach nicht am richtigen Ort waren, haben schon etwas verpasst.
Aber in zwei Jahren gibt es ja wieder eine totale Sonnenfinsternis - in Afrika...
